Weltersbach 6

Liebe Schwestern und Brüder,

völlig erschöpft sitzt mir ein Feuerwehrmann gegenüber. Stundenlang haben er und seine Kollegen mit ganzer Kraft gearbeitet um die Folgen des Starkregenereignisses dieser Nacht zu beseitigen. Keller wurden ausgepumpt,

Sandsäcke geschleppt, Schlamm aus den Gebäuden gefegt… Jetzt legt er vor der Kirche eine Pause ein, trinkt einen Kaffee und isst ein Brötchen. Da sieht er an der Wand ein Poster mit der Jahreslosung „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst“. Er schaut mich an und sagt: „Stimmt, viel Wasser haben Sie ja diese Nacht bekommen.“ – Galgenhumor, wie man so sagt. Trotz allem Elend konnten wir miteinander lachen.

Unfassbare Mengen von Wasser flossen in der Nacht des 10. Juni durch unser Tal. In nur 50 Minuten regneten 65 Liter Wasser auf den Quadratmeter, das der Boden natürlich nicht aufnehmen konnte. Und so suchte sich das Wasser seinen Weg. Über unsere Wege, durch unsere Wiesen und Gärten und leider auch durch viele unserer Gebäude.

Weltersbach 2

Wer live dabei war, wird die Bilder von zerborstenen Fenstern und Möbeln, schwimmenden Stühlen und Tischen, ja sogar Autos, so schnell nicht vergessen. Dazu die Erkenntnis, dass man den Naturgewalten in solch einem Fall hilflos ausgeliefert ist. Wie schnell können dann auch Menschleben gefährdet sein. Gerade in einer Senioreneinrichtung mit vielen bettlägerigen und gehbehinderten Menschen. Wie dankbar sind wir, dass in dieser Nacht niemand körperlich zu Schaden gekommen ist.

Immer wieder muss ich an das Bibelwort aus 3. Mose 26, 5 denken: „Ihr sollt Brot die Fülle haben und sollt sicher wohnen in eurem Lande.“ Eine Zusage, die damals eigentlich dem Volk Israel galt, die mich aber im Hinblick auf Weltersbach schon seit einigen Jahren begleitet.

Ich habe deutlich gespürt, wie Gott seinerzeit mit diesem Wort zu mir gesprochen hat, und im Rückblick auf die Ereignisse des 10. Juni bin ich Gott von Herzen dankbar, dass sich diese Zusage bewahrheitet hat. Trotz aller Zerstörung wurden wir an Leib und Leben bewahrt. Zahllose Helfer von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk, Rotes Kreuz und aus der Bevölkerung waren zur Stelle und haben uns geholfen. Die Versicherung kommt für die Beseitigung der Schäden und die Wiederherstellung der Gebäude, Räume, Straßen und Wege auf. In allem zeigte sich die gute Hand unseres Gottes, die über uns war.

Während ich diese Zeilen schreibe, verlassen die letzten Container, in denen monatelang Möbel u.ä. gelagert waren, unser Tal. Die Wiederherstellungsarbeiten sind weitgehend beendet. Hier und da muss noch was geschehen, doch so langsam kehrt die Normalität zurück. Seit dem Ewigkeitssonntag können die Gottesdienste wieder in unserer Christuskirche stattfinden, wenn auch noch Orgel und Flügel fehlen. Mit der Gemeinde sind wir so dankbar, zumal die Christuskirche jetzt in neuem Glanze erstrahlt. Neuer Fußboden, neuer Anstrich, neue Trennwände. Dies ist, wenn man so will, die positive Seite des Starkregenereignisses.

Nun schauen wir voller Zuversicht in das Jahr 2019 und wollen uns, mit Gottes Hilfe, den Herausforderungen stellen. Vor dem Hochwasser wollten wir dringend erforderliche Sanierungsmaßnahmen an unseren Reihenhäusern vornehmen. Natürlich konnten wir den Plan nicht verwirklichen, nehmen ihn nun aber wieder in Angriff.

Weltersbach 3

Ein wichtiges Projekt ist der schon lange geplante Neubau des Hauses Emmaus in unserer Dorfmitte. Schon seit Ende 2011 wird es nicht mehr als Altenheim genutzt und stand weitgehend leer. Allerdings diente es für zwei Jahre geflüchteten Menschen aus aller Herren Länder als Notunterkunft. Aber auch sie mussten infolge des Hochwassers unvermittelt am 10. Juni ausziehen und wurden in anderen Unterkünften untergebracht. Schade eigentlich, denn diese Menschen haben unser Dorfleben bereichert. Nun hoffen wir, dass wir in diesem Jahr mit dem Neubau beginnen und moderne Einzelzimmer für 54 Bewohnerinnen und Bewohner schaffen können.

Eine andere Herausforderung ist der Pflegekräftemangel. Wir merken, wie uns dieses Thema je länger, je mehr beschäftigt. Auch wenn der Gesundheitsminister und die Bundesregierung Maßnahmen für zusätzliche Pflegekräfte beschlossen haben, so ist unsere Frage, wo diese Pflegekräfte herkommen sollen. Da schauen wir schon mit Sorge in die Zukunft, setzen uns dagegen aber mit unserer ganzen Kraft dafür ein, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein und wollen auch an dieser Stelle auf Gott und seinen Beistand vertrauen.

Gerne laden wir Euch und Eure Gemeinden zu einem Besuch nach Weltersbach ein. Zu einem Tagesausflug, z.B. zur Besichtigung unseres Bibelgartens, der die Fluten erstaunlich gut überstanden hat, oder auch zu einem mehrtägigen Aufenthalt in unserem schönen Begegnungszentrum.

Weltersbach 5

Eine Möglichkeit ist Samstag, der 23.03.19. Dann öffnen wir für die Bevölkerung unsere Türen und laden zu einem Kennenlernen ein. Dazu sind nicht nur unsere Nachbarn eingeladen, sondern selbstverständlich auch die Menschen aus unseren Trägergemeinden. Herzlich willkommen.

Joachim Noß

Weltersbach 4

Beachten Sie weitere Angebote aus dem Bund Evangelisch Freikirchlicher Gemeinden K.d.ö.R.

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